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Offener Brief an den Landesvorsitzenden des LVdM in NRW, Herrn Bernd Smalla

Sehr geehrter Herr Smalla,
mit einiger Irritation hat der DTKV NRW Ihre Stellungnahme zum aktuellen Entwurf des Kulturrechtsneuordnungsgesetzes zur Kenntnis genommen. In Ihrer Einleitung artikulieren Sie die Befürchtung, „dass das über Jahrzehnte gewachsene System der öffentlichen Musikschulen durch unklare Abgrenzungen zum Bereich der kommerziell agierenden privaten Musikschulen geschwächt und damit der Zugang zur musikalischen Bildung für alle insgesamt eingeschränkt wird.“

Was Sie damit meinen folgt später:
Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen „Öffentlichen Musikschulen“ (§ 43) und „Musikschulen in anderer Trägerschaft als in der Trägerschaft der Gemeinden und Gemeindeverbände“ (§ 44) sei „die fachliche und wirtschaftliche Mitverantwortung der Gemeinde oder des Gemeindeverbands“ auf Seiten der öffentlichen Musikschulen. Während diese ihr Angebot ausschließlich an den musikpädagogischen und gesellschaftlichen Erfordernissen ausrichten und ihre Träger die nicht kostendeckende Bildungsarbeit durch Zuschüsse ausgleichen, arbeiten die freien oder privaten Musikschulen in unternehmerischer Absicht, d.h. gewinnorientiert.“

Diese Betrachtungsweise mag vor 30 Jahren in der Zeit der kommerziellen Orgelstudios zugetroffen haben, entspricht aber in keiner Weise den generellen Gegebenheiten der Gegenwart und schrammt damit haarscharf an einer Schlechtrede über einen Mitakteur*in im musikpädagogischen Bildungswesen vorbei.

Seit der Abschaffung der Kameralistik arbeiten auch die öffentlichen Musikschulen kostenrechnend und richten ihr Angebot an dem durch den Träger bereitgestellten Finanzrahmen aus. Ist diese Decke zu „dünn“, leidet die Qualität des Angebotes. Lange Wartelisten und Einzelunterricht zu 22,5 Minuten pro Woche bzw. Gruppenunterricht, wo Spezialförderung angesagt wäre, sind unter Umständen die Folge, beides kein Beweis von Bildungsnachhaltigkeit. Private freie Träger und selbständige Musiklehrer*innen arbeiten selbstverständlich ebenfalls ausschließlich bildungsorientiert, müssen aber die fehlenden öffentlichenZuschüsse und Leistungen wie die von Querschnittämtern, Raummanagement/Anmietung, Veranstaltungswesen usw. selbst erwirtschaften. Das schlägt sich in der Regel auf die Preise nieder, deren Höhe ggfs. nur durch die pädagogische Qualität des Angebots zu rechtfertigen ist. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Angeboten ist daher wohl eher das umfassendere Angebot der öffentlichen Einrichtungen, die ganze Vielfalt im Einzelunterricht in der Gruppe und im Ensemble – was im privaten Bereich zuweilen durch kluge Kooperationen ausgeglichen werden kann - und die soziale Komponente in der Preisgestaltung. Selbst das Argument des gesicherten Qualitätsmanagements der VdM- Musikschulen sticht nur noch mit Einschränkungen. Das Argument der Flächendeckung (fahren Sie mal ins Oberbergische und in die Eifel auf „Musikschultour“!) sollten wir hier erst gar nicht anführen. Dort gibt es zum Glück freie Anbieter.

Zu behaupten, private Angebote seien „gewinnorientiert“ halten wir für Schlechtrede gegenüber den freien Bildungspartnern. Niemand würde schließlich behaupten, dass Schulleiter*innen und Pädagog*innen von Musikschulen ihre Gehälter als Stillung einer „Gewinnorientierung“ erhalten.

In diesem Sinne stimmen wir Ihnen zu: Es gibt eine gewachsene Bildungslandschaft aus öffentlich-rechtlichen Musikschulen (wir subsumieren darin auch die kommunalen e.V.-Schulen und andere Trägerstrukturen) und freien Anbietern. Das Zusammenspiel dieser Kräfte macht den Wert unserer gemeinsamen Kulturarbeit aus. Dies gilt es zu erhalten.

Mit besten kollegialen Grüßen
für den Vorstand des DTKV Landesverband NRW e.V.
Cornelia Sokoll
Landesvorsitzende

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