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Pressemitteilung zur Onlinebefragung von DTKV-NRW und Landesmusikrat NRW

Nun veröffentlicht: Pressemitteilung zur durchgeführten Onlinebefragung von DTKV und Landesmusikrat
(Link zur Pressemitteilung als PDF)

Ende 2020 führte der DTKV in Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat eine große Online-Umfrage durch, die die Situation von Musiker*innen und Musikpädagog*innen wiedergeben sollte.

In einem 54 Seitigen Projektbericht werden die unterschiedlichen Fragen zur problematischen Einkommenssituation beleuchtet, ein 84 Seitiger Grafik-Report untermauert und ergänzt die Ergebnisse.

Die Studie wurde ausgewertet von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf (hhu) und liegt unter dem Titel "Die wirtschaftliche und soziale Situation freischaffender Musikpädagog*innen und Musiker*innen", vorgelegt von Prof. Dr. Heiner Barz vor.

Wie zu erwarten war, hat sich die ohnehin dramatische Situation der Angesprochenen durch Corona weiter verschärft. Die monatlichen Durchschnittseinkommen liegen im Normalfall schon deutlich unter landesweiten Einkommenswerten,  ebenso deutlich zeigt sich der Gender Pay Gap. Nach Angaben vieler Befragter sind Ankommensanteile in der Krise von 70% bis zu 100 % weggefallen.

Die ganze Pressemitteilung, in der auch Cornelia Sokoll, Vorsitzende des DTKV-NRW, und Matthias Hornschuh zu Wort kommen, lesen Sie hier:
 

Pressemitteilung zur Musikszene in der Corona-Krise

Eine Online-Befragung des Landesmusikrats dokumentiert die problematische Einkommenssituation der Freischaffenden in der Musikbranche

In der Corona-Krise hat sich die ohnehin schwierige finanzielle Situation der freischaffenden Musiker*innen und Musikpädagog*innen noch einmal dramatisch verschärft. Das zeigt eine vom Landesmusikrat NRW initiierte Online-Befragung. An der von Prof. Dr. Heiner Barz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, durchgeführten Studie nahmen ca. 200 Befragte der freien Musikszene teil.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Musiker*innen und Musikpädagog*innen in NRW mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 2.028 EUR aus der Sparte Musik oder 2.492 EUR, wenn man sonstige Einkünfte einbezieht, deutlich unter dem liegen, was das Statistische Bundesamt als deutsches Durchschnittseinkommen ausweist. Nämlich für 2020: 3.975 EUR. Die in der Studie festgestellten Einkommensunterschiede bestätigen den vielfach beschriebenen Gender Pay Gap. Bei den Einkünften aus dem Bereich Musik errechnete sich für die männlichen Befragten ein jährliches Durchschnittseinkommen von 28.180,44 EUR, für die weiblichen Befragten von 20.627,67 EUR – was einem Gap von ca. 25% entspricht.

Matthias Hornschuh, Vizepräsident des Landesmusikrats NRW: "Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie groß der Abstand zwischen den monatlichen Einkünften der Musikschaffenden und dem deutschen Durchschnittseinkommen ist. Wir müssen alles daransetzen, die rechtlichen und politischen Rahmen­bedingungen dahingehend anzupassen, dass die gesellschaftlich bedeutsame Arbeit professioneller Musikschaffender endlich als vollwertige Erwerbsarbeit anerkannt wird und diesen neben einem soliden Auskommen die nötige Vorsorge für Krisen, Krankheiten und das Alter ermöglicht.“

Auch in der Sparte Musik finden sich Frauen öfter in den Berufsfeldern wieder, die ein generell niedrigeres Verdienstniveau aufweisen, etwa als Instrumentalpädagoginnen, Gesangspädagoginnen oder Sängerinnen. Während Männer – etwa im Feld der Komposition, der Musikproduktion, der Schulleitung, als Dirigent oder Hochschuldozent – oftmals die deutlich besser vergüteten Positionen besetzen.

Die Folgen der Corona-Krise erleben viele Befragte als problematisch. Einkommensanteile von 70%, 80% oder gar 100% sind abrupt weggefallen. Worte wie „Desaster“ und „Katastrophe“ finden sich in den Antworten. Als fast genauso dramatisch beschreiben viele die sozialen und psychischen Folgen: Die fehlenden realen Kontakte zu Kolleg*innen, zu Schüler*innen und überhaupt zu Mitmen­schen führen zu sozialer Isolation. Das Wegbrechen vieler Aufträge und Auftritte können einige durch Verlagerung der Tätigkeitsfelder, meist hin zu mehr Unterricht, zumindest teilweise kompensieren. Den teilweise positiven Erfahrungen mit dem Online-Unterricht im Zuge der Corona-Maßnahmen stehen negative Aspekte gegenüber, die eine fast doppelt so große Gruppe berichtet.

Cornelia Sokoll, Vorsitzende des Deutschen Tonkünstlerbandes NRW: "Es ist beeindruckend, dass sich alle befragten Musikpädagog*innen der Herausforderung des Online-Unterrichts gestellt haben. Und es macht nachdenklich, dass die weit überwiegende Mehrheit dennoch nur im Präsenzunterricht die Möglichkeit einer optimalen Talentförderung sieht. Zu groß sind die Einbußen an Tonqualität und unmittelbarer Arbeit am Instrument und an der Stimme. Wir werden alles daransetzen, nach der Corona-Krise die Defizite in der Ausbildung an Instrument und Stimme zu beheben."

Viele Befragte nennen auch positive Erfahrungen in der Corona-Krise: Insbesondere die Solidarität und die treue Unterstützung durch Auftraggeber oder Schüler werden hier genannt. Die Refinan­zierungsmöglichkeiten durch staatliche Hilfsgelder werden von den Befragten skeptisch bewertet: 70% der Studienteilnehmer*innen konnten dadurch nach eigener Einschätzung den wirtschaftlichen Schaden nicht oder nicht nennenswert kompensieren.

Angesichts der oft problematischen wirtschaftlichen Situation ist die Zufriedenheit mit dem gewählten Musik-Beruf überraschend hoch: Die überwiegende Mehrheit (71%) sagt, dass sie sich erneut dafür entscheiden würde. Nur 6% der Befragten würden sich heute nicht mehr dafür entscheiden; gelegentliche Zweifel geben 23% an. Die hier zum Ausdruck gebrachte hohe Gesamtzufriedenheit resultiert offenbar vor allem aus einer hohen Befriedigung intrinsisch motivierter Bedürfnisse. So finden sich hohe, über 80% liegende Zufriedenheitswerte „im Hinblick auf Aspekte wie Sinn und Bedeutung“, während mit der Einkommenssituation nur ungefähr die Hälfte der Befragten zufrieden ist.
 

Die wirtschaftliche und soziale Situation freischaffender Musikpädagog*innen
und Musiker*innen in NRW,
Projektbericht (04/2021), vorgelegt von Prof. Dr. Heiner Barz

 

Der Landesmusikrat NRW hat die Studie gemeinsam mit dem Deutschen Tonkünstlerverband NRW initiiert. Die Ergebnisse werden verbandsintern intensiv diskutiert und für die Interessenvertretung in Öffentlichkeit und Politik genutzt.

 

Mehr Infos:

Download der Kurzfassung der Studie (3 Seiten) [https://www.lmr-nrw.de/aktuell]

Download des Ergebnisberichts der Studie (35 Seiten) [https://www.lmr-nrw.de/aktuell]

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Robert von Zahn, Landesmusikrat NRW, Klever Str. 23, 40477 Düsseldorf, r.v.zahn@lmr-nrw.de, www.lmr-nrw.de, Tel. 0211-862064-0.

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